Auf dem 4 Schlösserrundweg


Eine Geschichte über eine Familienwanderung auf dem 4 Schlösserrundweg. Ein und amüsanter Text geschmückt mit schönen Fotos auf dem Weg zu den 4 Schlössern.

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Eine Routenbeschreibung für Familien und Genusswanderer

 

„Darf ich euch die Wanderung zu den vier Schlössern von Rorschacherberg zeigen“,  bestürmt Seraina ihre Eltern. Sie besucht die fünfte Klasse und hat in der Schule eben dieses Thema durchgenommen.

„Am Sonntag, machen wir die Wanderung und du führst uns!“  bestimmt der Vater.

 

Die Wanderung beginnt beim Schlösschen Wiggen. Wir fahren zur Busstation Bachwies  mit dem Seebus 251 oder dem Postauto 242 Richtung Rheineck. Dies ist der ideale Startpunkt.  Von da gehen wir  wenige Minuten Richtung Osten und biegen in die  Klostergutstrasse ein.

Nach hundert Metern stossen wir auf den Wiggenweg und nach wenigen Schritten stehen wir im Schatten mächtiger Baume vor dem Schlösschen. „Siehst du das kleine Fähnchen auf dem Turm und die goldene Kugel?“, fragt Seraina ihren jüngeren Bruder Samuel. „Da drin gibt es sicher alte Schriften – die würde ich gerne lesen - die sind voller Geheimnisse!“

 

„Sicher ist aber, dass die  schöne Stube aus Holz ausgeräumt wurde - sie ist jetzt  im Landesmuseum in Zürich. Was weisst du sonst noch über das Schlösschen?“ fragt die Mutter. Seraina weist auf die Tafel hin, welche die Geschichte des Schlösschens erklärt. „Da steht alles drauf!“

Die Familie wandert auf dem Wiggenweg weiter bis zur Wiggenrainstrasse und folgt ihr nach Osten bis zur Haltestelle der Heidenerbahn.

 

 „Mami, wie weit ist es noch?“, klagt Samuel, der Erstklässler, welcher lieber mit seinen Kollegen Fussball gespielt hätte. Es ist Seraina, die ihn tadelt: „He, gibst du schon auf, du wirst aber kein Messi, wenn du nach zehn Minuten schon schlapp machst! Du kannst ja das Bähnchen nehmen bis zum übernächsten Schloss!“. Die Mutter erklärt ihm nun, dass sie auch das nächste Schloss, Wartegg, ansehen möchte. Man könnte schon die Appenzeller-Bahn nehmen zum Schloss Wartensee, aber dann würde man nur drei von vier Schlössern sehen, das wäre doch schade.

Samuel lässt sich überreden und schon folgen sie der Thalerstrasse wenige hundert Meter weit, die unter der Brücke der Heidenerbahn durchführt. „Wir müssen nun aufpassen, dass wir die Abzweigung nach dem Schloss Wartegg nicht verpassen – Samuel, ich weiss eine Abkürzung für dich, damit du nicht wieder ausrufst! Die ist nämlich genau nach dem Fussgängerstreifen nach links hinunter zur alten Kapelle Wilen“.

  

„Warum hat es denn so ein grosses Herz aus Holz vor der Kapelle?“, fragt Samuel. „Das ist nicht immer da, nur wenn hier eine Hochzeit gefeiert wird. Das ist ein  Glückssymbol für das junge Paar“, erklärt die Mutter.

„Wir gehen nun um die Kapelle herum und folgen  dem kleinen Weg, der auf einen grösseren führt“, erklärt Seraina. Und schon stehen die vier  vor dem herrschaftlichen Schloss Wartegg. Es steht in einem 13 Hektaren grossen englischen Naturpark  - eine Oase der Ruhe. Der Park wäre auch einen Spaziergang wert.

  

 „Da drin hat die Kaiserin von Österreich einmal gewohnt. Das ist aber fast schon einhundert Jahre her“, berichtet Seraina -  ganz stolz auf ihr Wissen. Samuel  reklamiert, etwas eifersüchtig, weil sie so viel weiss: „Ich will selber lesen, was auf der Tafel steht“. Der Vater hilft ihm bei den langen Wörtern.

„Jetzt müssen wir aber auf der Abkürzung wieder zurück, ich habe nämlich den Wegweiser zum nächsten Schloss schon Wartensee schon gesehen“, erklärt die Mutter. Sie wandern nun also ein Stück Weg um die Kapelle herum zurück bis auf die Höhe des Fussgängerstreifens. Rechts ist eine Garage. Da steht ja schon eine Velofahrerin. Ob sie das schafft ohne Abzusteigen hinauf bis zum dritten Schloss?

 

„Das ist aber wirklich jetzt zu steil!“, beginnt Samuel wieder seine Jammerei. Seine Schwester nervt das, denn es ist ihr Weg und da soll er doch nicht so tun! „Ich zeige dir etwas, was du sicher noch nie gesehen hast – ganz bestimmt! Das ist so lustig! Da lachst du dich krank!“

 

Nun geht es wirklich bergauf. Unter der Autobahn durch. Und schon kommt von Heiden her die Appenzellerbahn gefahren. „Wär das schön im Zug“, beginnt Silvio wieder zu jammern. Der Vater mag das nicht mehr hören  und sagt: „Hör bitte auf – ich erzähl dir dafür einen Witz!“

Mitten auf der Bahnfahrt muss Peter auf die Toilette. Als er fertig ist, findet er sein Zugabteil nicht mehr. Er fragt den Kondukteur, was er tun soll. "Kannst du dich denn nicht noch an etwas erinnern, was dir weiter helfen kann?" "Doch, einmal habe ich aus  dem Fenster Kühe auf der Wiese gesehen…."

  

Nun haben sie den grössten Teil des Aufstiegs schon hinter sich. „Ah, ich weiss, was das für eine Überraschung ist…das sieht mega cool aus!“ (Damit für die Leser ein klein wenig Überraschung bleibt, hier nur die Rückenansicht.)

„Und unsere Velofahrerin hat es auch geschafft“, stellt der Vater fest.

 

Nun ist das dritte Schloss Wartensee ganz nahe. „Wisst ihr, warum es diesen Namen trägt“, fragt Seraina? „Weil man da oben über die ganze Gegend blicken kann. Warte meint einen Platz, von dem man Ausschau halten kann“, gibt die Mutter zur Antwort. „Krass,  und Schiessscharten hat es auch“, ergänzt Samuel fachkundig. Ein Superschloss findet auch der Vater und macht den Vorschlag, dass es Zeit wäre, etwas zu trinken. Im Schloss befinde sich ja ein Restaurant mit Garten und  einem wunderbaren Ausblick.

  

„Und hier ist eine Abkürzung – die geht sicher zum Schloss“, ruft Samuel mit Entdeckerstolz. Und nun rennt er wie ein junger Hund das Wiesenweglein hinauf zum kleinen Wäldchen. „Bleib aber auf dem Weg- geh nicht durch das hohe Gras“, ruft ihm der Vater nach.

„Man sieht genau, welches der älteste Teil des Schlosses ist, nämliche der aus groben Steinen gefügte Wohnturm“, erklärt Seraina. „Die übrigen Teile sind jünger, immer wieder angebaut worden – es steht ja alles auf der Tafel.“

  

Von hier geniesst man einen weiten Blick auf den Osten der Gemeinde Rorschacherberg und sieht an klaren Tagen weit über den See bis Konstanz. „Wir  gehen wir nun zur Rückseite von Schloss Wartensee – dort gibt es einen Weiher, der mir zu jeder Jahreszeit gefällt“, schlägt der Vater vor.

 

Gestärkt nach der Rast  sucht die Familie den Weg über den Parkplatz jenseits des Weihers auf die Strasse, die nun ganz gerade Richtung Westen führt.  „Nicht gerade das schönste Stück des Wanderwegs“, meint die Mutter. Doch der Blick auf den See verkürzt die Marschzeit. Man sieht die Bucht von Rorschach, dann Goldach und Horn und schliesslich die Bucht von Arbon. „Ich sehe sogar die Fähre nach Friedrichshafen“, ruft Seraina begeistert.

 

Die Familie marschiert weiter bis zum Weiler Hof. Kurz vor der Einmündung in die Heidenerstrasse zeigt der Vater auf einen hübsch renovierten Stall. „Hier ist ein ganz besonderes Museum! Da war ich mal mit Freunden auf Besuch. Hier drin gibt es mehr als eintausendfünfhundert Biergläser aus aller Welt.“

 

Doch die Familie marschiert weiter auf die Hauptstrasse, überquert sie und bleibt bei der Kreuzung links weiterhin auf der Hofstrasse. Nach den Einfamilienhäusern führt die Strasse durch  den Wald.  Seraina erklärt: „Bald kommen wir nun zum vierten Schloss. Es war für die Gegend wichtig, denn

das Gebiet um Rorschacherberg gehörte früher zum St. Galler Klosterstaat. Das St. Annaschloss gehörte zuerst den Edlen von Rorschach und war vom 15. Jahrhundert  an das Schloss des äbtischen Vogtes für  Rorschach. Schau, dort sieht man es schon durch die Bäume!“

 

„Ihr kennt nun alle vier Schlösser in unserer Gemeinde. Welches ist wohl das älteste?“, fragte der Vater. „Seraina,  sag bitte nichts,  du weißt  das ja von der Schule her schon“. „Das hier ist sicher das älteste, denn es sieht so richtig alt aus, wie aus der Ritterzeit, das weiss ich genau“, platzt Samuel los. „Richtig“, quittiert der Vater. „Und dann kommt bestimmt Wartensee - zumindest der Burgturm ist alt“, meint die Mutter. „Und die beiden andern? Da muss ich in meinem Realienordner nachschauen, die stammen aus dem 16. Jahrhundert und ihr Bau liegt wenige Jahre auseinander“, stellt Seraina fest.

 

„Und jetzt gehen wir wenige Meter zurück bis zum Waldweg mit der Verbotstafel, der führt uns nun nur noch abwärts durch den Wald“, orientiert Seraina. „Da ist Samuel sicher der erste und rennt uns voraus“, fügt sie bei.

Alle geniessen den kühlen Wald. Die Korporation Vierhöfe hat hier viel Besitz. Sie besteht aus den Ortsbürgern der Weiler Hof, Hohriet, Kolprüti und Fronberg. Den Wald zu pflegen ist eine ihrer Aufgaben.

Unterdessen ist Samuel wirklich wie ein junges Reh den Waldweg hinunter gerannt, bis ihn niemand mehr sieht. „Er wird sich wohl verstecken“, meint sie zu den Eltern.  Doch schon hat sie den dicken Stamm entdeckt, hinter dem er wirklich auch mit lautem Geheul hervorspringt.

 

Nun sind sie schon auf der Höhe der Autobahn angelangt. Zwar ein schreckliches Loch, aber die Direttissima hinunter auf die Hauptstrasse. „Und nach dem Tunnel hat man einen Super-Ausblick, den lassen wir uns nicht nehmen!“, bemerkt die Mutter. Diesmal ist sie jetzt, welche die Kinder fragt, zu welchen Gebäuden die zwei grossen  Türme und das kleine Türmchen gehören. „Wer weiss das?“

Schon sind sie kurz vor der Goldacherstrasse. „Wer kennt das Gemeindehaus von hinten?“, fragt der Vater. Sie wenden sich nach rechts und folgen der Strasse auf dem Trottoir. „Auf dem Gebiet welcher Gemeinde gehen wir nun?“, fragt der Vater.

 

Samuel hält tapfer mit. Die Strasse geht am Friedhof und am Sportplatz vorbei. Nach der Mehrzweckhalle überqueren sie die Heidenerstrasse und folgen der Thalerstrasse, die hier beginnt. „Nun müssen wir aufpassen, dass wir die Abzweigung nach links vor der Autogarage erwischen, dort sind wir weg vom Verkehr“, erklärt Seraina.  Sie folgen dem Weg durch die Neubauten und stehen unvermittelt vor einem Fachwerkhaus. Am Ende des Gartens wenden sie sich nach links und kommen bei einer Bank vorbei.

  

Vor ihr führt ein schmaler Kiesweg nach rechts. Nach wenigen Minuten überqueren sie die Seeburgstrasse und sehen schon das Schulhaus Klostergut vor sich.

Nun ist unsere Familie schon fast am Ziel. Es geht an der Heilpädagogischen Schule vorbei abwärts  auf der Klosterguetstrasse bis sie alle vier wieder bei der Tafel Wiggenweg ankommen.

„Papa, wie lange haben wir für den ganzen Weg – ohne Pause – gebraucht, das muss ich meinen Kollegen erzählen!“ stellt Samuel am Schluss ganz befriedigt fest.

                                                        Fotos und Beschreibung: Justin Koller